Die wichtigsten
Argumente
gegen Klimaschutz

Faktencheck

Gründe FÜR Klimaschutz gibt es viele.
Aber was sind Argumente DAGEGEN?

Einige Einwände werden immer wieder genannt. Wir haben sie gesammelt, strukturiert und überprüft, wie zutreffend sie sind.

Wir haben die Argumente in fünf Gruppen eingeteilt, je nachdem gegen welche Kernaussage sie sich richten.

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Die Klimakrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit. 15:55

Woher sollen wir wissen, was passieren wird? Niemand kann die Folgen des Klimawandels vorhersehen.

Faktencheck

Wir sind alle keine Hellseher:innen. Zu 100% sicher, kann sich niemand sein. Jedoch stimmen 97% der Klimatolog:innen darin überein, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Im wissenschaftlichen Diskurs wird eine Fragestellung von allen möglichen Forschenden mit einer Vielzahl von Hypothesen durch verschiedene Methoden, Experimenten etc. nach wissenschaftlichen Kriterien getestet und überprüft. Stück für Stück fallen die Hypothesen weg, die sich unter Einhaltung wissenschaftlicher Standards nicht bestätigen lassen. Bezogen auf den Klimawandel gehen die Klimamodelle seit den 70ern in die gleiche Richtung: Es gibt den menschengemachten Klimawandel. Und er geht immer schneller voran. (1)

Ein wichtiger Punkt ist dabei der Unterschied zw. Wetter und Klima:
Wetter bezeichnet lokale und kurzfristige Zustände. Wettervorhersagen können nur einige Tage im Voraus geschehen, weil sie den Zustand der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt messen und dann schrittweise in die Zukunft rechnen. Dieser Anfangszustand der Atmosphäre ist von vielen Einflussfaktoren abhängig, z.B. Druck, Wind, Temperatur. Deshalb sind Wettersimulationen sehr störungsanfällig - kleinste Änderungen haben große Auswirkungen auf die Prognose.

Klima-Modelle hingegen beschreiben nicht die Temperatur an einem bestimmten Tag, sondern einen Trend, d.h. sie geben einen Durchschnitt des Wetters über einen langen Zeitraum – mindestens 30 Jahre – an.  Das Klima zeigt somit globale, langzeitige Entwicklungen. Klima-Modelle werden getestet, indem geschaut wird, ob sie in der Vergangenheit korrekt vorhergesagt haben, was inzwischen passiert ist. Die Berichte des Weltklimarats (IPCC) waren dabei bisher sehr vorsichtig mit "alarmistischen" Prognosen und haben den Klimawandel und seine Folgen in der Vergangenheit tendenziell sogar ehr zu gering, als zu groß vorhergesagt.(2)

Auch haben Klimamodelle in der Vergangenheit zuverlässig vorhergesagt, dass unterschiedliche Regionen vom Klimwandel unterschiedlich stark betroffen sind. Im Mittel erwärmen sich z.B. Seegebiete weniger als der weltweite Durchschnitt. Landgebiete erwärmen sich dafür im Mittel mehr als der weltweite Durchschnitt. (3)

 

Quellen:

(1) Cook et al (2013)

(2) Brysse et al (2013)

(3) Jia et al. (2019)

Die Folgen des Klimawandels sind gar nicht schlimm.

Faktencheck

Deutschland ist bisher weniger schlimm betroffen. Deshalb erscheint einigen der Klimawandel eventuell nicht so schlimm. Doch auch wir bemerken schon die Folgen, bspw. die Dürresommer 2018, 2019. Durch normale Schwankungen gibt es immer wieder wärmere und kältere Jahr. Jedoch werden durch den Klimawandel extreme Wetter- bzw. Witterungsphänomene wie z.B. Dürresommer deutlich häufiger und stärker. Das ist vor allem schlimm für die Landwirtschaft, aber auch für die gesamte Gesellschaft, denn die deutsche Infrastruktur und Lebensweise sind nicht auf ein verändertes Klima ausgerichtet. Auch eine Anpassung ist extrem teuer und nur begrenzt möglich. (1)

Über die Welt verteilt wird es unterschiedliche Erwärmung geben. Insbesondere erwärmen sich Landgebiete deutlich stärker als Seegebiete.(2) Bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um eine bestimmte Gradzahl ist also in weiten Teilen Deutschlands mit einer deutlich stärkeren Erwärmung zu rechnen, als diese Gradzahl. Darüber hinaus deutet Vieles darauf hin, dass sich Erwärmungsprozesse selbst gegenseitig verstärken, sogenannte Rückkopplungsprozesse. (3) Z.B. werden durch Waldbrände, die durch die Erderwärmung verursacht wurden, wieder Tonnen an CO2 freigesetzt, was die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre noch erhöht.

In vielen Regionen - ganz besonders in tropischen und subtropischen Gebieten - treten Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Waldbrände, Dürren, schon heute vermehrt auf. (4) Die wirtschaftlichen Schänden, die durch solche Extremwetterereignisse verursacht werden, sind bereits heute sehr groß. (5) Manche Wirtschaftszweige in manchen Regionen werden jedoch auch vom Klimawandel profitieren, (6, 7)  z.B: Teile Sibiriens die bei Erwärmung landwirtschaftlich fruchtbarer werden (8). Jedoch sind die absehbaren wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels für die allermeisten Staaten in der Summe eindeutig negativ. (9)

 

(1) Klimafakten (2016)

(2) Jia et al. (2019)

(3) IPCC (2013), zur Erklärung z.B. Klimafakten (2017)

(4) EKD (2009)

(5) NOAA National Centers for Environmental Information (2021)

(6) Klimafakten (2017)

(7) Zhang und Cai (2011)

(8) Klimafakten (2016)

(9) Kompas, Pham und Che (2018)

Das Klima hat sich immer schon geändert. Mensch und Natur können sich doch anpassen.

Faktencheck

Ja, Tiere und Pflanzen sind anpassungsfähig. Immer wieder kam und kommt es durch veränderte Umweltbedingungen zu der Entstehung neuer Arten. Solche evolutionsbiologischen Veränderungen vollziehen sich über lange Zeiträume. So begann die Evolution des Menschen vor mehreren Millionen Jahren. (1) Auch in der vorindustriellen Zeit gab es natürlich Tierarten, welche ausgestorben sind, weil sie sich nicht schnell genug ans veränderte Klima angepasst haben. Durch den menschengemachten Klimawandel gehen diese Veränderungen in den letzten 130 Jahren jedoch noch schneller vonstatten, als dies über die letzten 65 Millione Jahre der Fall war. (2) So schnell, dass Mensch und Tieren die Zeit zur Anpassung fehlt, weshalb mit vielen aussterbenden Arten gerechnet werden muss (3). Allein in den letzten 10 Jahren mussten 483 Tier- und Pflanzenarten für ausgestorben und 5706 für extrem gefährdet (critically endangered) erklärt werden. (4)

Über viele Studien hinweg zeigt sich, dass in der Geschichte bereits geringere Klimaveränderungen, als die heute drohende, die Stabilität von Zivilisationen gefährdet und zu mehr Krieg beigetragen und den Kollaps ganzer Gesellschaften mit verursacht haben. (5)

Auch hört sich z.B. 4 Grad Temperaturunterschied (bei ungebremstem Treibhausgasausstoß) und die damit verbundenen Veränderungen der Lebensumstände vielleicht zunächst nicht dramatisch an, aber selbst auf dem Höhepunkt der letzten großen Eiszeit war es im globalen Mittel „nur“ ca. 6 Grad kälter. (6, 7)

 

(1) Maslin, Shultz und Trauth (2015)

(2) Westerhold et al. (2020)

(3) Radchuk et al. (2019)

(4) The IUCN Red List of Threatened Species (Version 2021-1)

(5) Hsiang und Burke (2014)

(6) IPCC (2014)

(7) Tierney et al. (2020)

Andere Themen sind viel wichtiger: Arbeitslosigkeit, Armut, Krieg…

Faktencheck

Ja, diese Themen sind sehr wichtig. Jedoch hängt der Klimawandel mit vielen dieser Themen zusammen bzw. verstärkt genau solche Probleme wie Armut und Krieg.

So kommt es durch Klimawandel heute schon zu Dürren, Wasserknappheit, aber auch Überschwemmungen. Das betrifft ganz besonders Länder im globalen Süden, die in Zukunft noch stärker betroffen sein werden. (1, 2) Die steigende Anzahl an Naturkatastrophen und Extremwetterereignissen durch den Klimawandel, werden ein Leben in den betroffenen Regionen in Zukunt gefährlicher und schwieriger bis hin zu unmöglich machen. Auch sind teure Schutz- und Anpassungsmaßnahmen (wo überhaupt möglich) in wirtschaftlich armen Ländern ganz besonders schwer zu finanzieren. Viele Menschen werden z.B. durch ausbleibende Ernten und höhere Lebensmittelpreise noch stärker unter Hunger leiden als heute schon. Landwirte verlieren ihre Lebensgrundlage - die Felder - wodurch die Armut steigt. (2)

Die Gefahr von Kriegen um Ressourcen steigt und früher oder später werden unzählige Menschen in weniger stark vom Klimawandel betroffene Regionen fliehen. Z.B. schätzt die Bundeszentrale für politische Bildung, dass 200 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels nach Europa fliehen könnten. (3) Außerdem werden Menschen, deren Lebensgrundlagen zerstört sind anfälliger dafür sich von bewaffneten Gruppen, wie z.B. der Terrororganisation Boko Haram, rekrutieren zu lassen. Diese geben den Verzweifelten die Aussicht auf ein besseres Leben und könnten den Versuch unternehmen, Ressourcen zu kontrollieren. Dadurch vermehrt sich wiederum Gewalt und bewaffneten Konflikten. (4)

 

 

(1) EKD (2009)

(2) IPCC (2014)

(3) bpb/Schraven (2019)

(4) Schaller, Schulz und Mosello (2020)

Der Klimawandel betrifft die Menschheit erst in der Zukunft.

Faktencheck

Bis zu fünf Milliarden Menschen könnten bereits bis 2050 - also in weniger als 30 Jahren - von Ernteverlusten, Wasserverschmutzung und Stürmen bedroht sein. Wobei die Länder des Globalen Südens am stärksten gefährdet sind. (1) Das mag nun erst einmal weit in der Zukunft erscheinen. Doch auch heute schon sind die Folgen der Erderwärmung , gerade in tropischen und subtropischen Regionen und in Ländern des Globalen Süden extrem spürbar. (2) Dies trifft bisher nicht in gleicher Stärke auf Deutschland zu. Jedoch kam es auch bei uns schon zu Dürren in den Hitzesommern 2018 und 2019, die große Einbußen vor allem für die Landwirtschaft bedeuteten. (3, 4)Das ist aber nur ein Vorgeschmack auf das, was uns in 20-30 Jahren bevorstehen könnte. So lassen beispielsweise Berechnungen eine Verringerung der Grundwasserneubildung in näherer Zukunft vermuten, was zu Wasserknappheit und damit einhergehenden Nutzungskonflikten führen könnte. (5) Die menschliche Gesundheit würde physisch und psychisch, durch die Auswirkungen von gehäuften Extremwetterereignissen,  massiv belastet. Stürme, Überflutungen und Hitzewellen könnten zu Belastungen der Organe, Unfällen, sowie posttraumatischen Belastungsstörungen führen. Extreme Temperaturen erhöhen das Risiko für Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen. (6)

Solche Gesundheitsschäden sowie die Beschädigung der Infrastruktur und Eigentum bedeuten außerdem hohe Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft. Beispielsweise waren zwischen 1980 und 2011 mehr als 5 Millionen Personen von Überschwemmungen (die durch den Klimawandel in Zukunft häufiger werden) betroffen, was einen wirtschaftlichen Schaden von über 90 Milliarden Euro verursachte. (7)

Da die Erderwärmung keine linearer Entwicklung folgt, sondern näherungsweise exponentiell ansteigt (8, 9), können sehr schwerwiegende Folgen für Deutschland sogar schon früher eintreffen. (10)

(1) Chaplin-Kramer et al. (2019)

(2) IPCC (2018)

(3) Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (2020)

(4) Umweltbundesamt (2020)

(5) Fliß et al. (2021)

(6) Nikendei et al. (2020)

(7) Europäische Kommission (o.J.)

(8) IPCC (2014)

(9) Kühn (2020)

(10) Coumou und Robinson (2013)

Weitere Kapitel zum Bereich "Positionen"

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